02.11.2017 19:00 bis 21:00  

Phantombilder. Atomare Katastrophen als Motiv der Kunst

Mit einem Kurzvortrag von Dr. Daniel Bürkner und einem Kunstgespräch mit Babylonia Constantinides und Robert Voit. Im Anschluss Führung durch den Videoparkour.


In das bilderreiche Kunstgespräch am 2.11. wird Daniel Bürkner mit einem Kurzvortrag über das Motiv atomarer Katastrophen in der Kunst einführen. Dazu zeigt er ausgewählte Beispiele internationaler künstlerischer Projekte. In dem anschließenden Kunstgespräch diskutiert er gemeinsam mit der Künstlerin Babylonia Constantinides und dem Fotokünstler Robert Voit, ausgehend von deren beiden Werken, die unterschiedlichen Herangehensweisen und künstlerischen Methoden sich dem Thema zwischen fiktiver Erzählung und dokumentarischem Blick zu nähern.

Daniel Bürkner, Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler, hat sich intensiv mit der Darstellung atomarer Katastrophen in der jüngeren Fotokunstgeschichte beschäftigt. In seiner Dissertation "Fotografie und Atomare Katastrophe. Die visuelle Repräsentation der Ereignisse von Hiroshima / Nagasaki und Tschernobyl" (Berlin 2015) hat er künstlerische, dokumentarische und touristische Bilder analysiert, die sich der jeweiligen Strahlenkatastrophe annehmen und ikonografische oder medial-materielle Bezüge zu ihr aufweisen. Dabei hat er zentrale Strategien, seien sie militärischer oder ziviler Natur, atomare Katastrophen in fotografische Bilder zu überführen herausgearbeitet. Gerade das eigentliche Unvermögen, die visuell nicht sichtbaren Strahlenemissionen oder die Komplexität der Vorgänge auf atomarer Ebene zu visualisieren, hat sich als prägend erwiesen und bestimmt als Paradigma der Unsichtbarkeit die kulturelle Rezeption der Ereignisse. In einem Kurzvortrag wird er als Einführung zum folgenden Kunstgespräch mit Babylonia Constantinides und Robert Voit beispielhaft die Bandbreite dieser Auseinandersetzung aufzeigen.
Als eine wichtige literarische Quelle hat sich für Babylonia Constantinides, die neben ihrem Kunststudium auch Germanistik an der LMU studiert hat, Arno Schmidts Roman "Schwarze Spiegel" aus dem Jahr 1951 gezeigt. In diesem Roman schildert Arno Schmidt die Auswirkungen eines fiktiven 3. Weltkriegs mit Atomwaffen im Jahr 1955 aus Sicht des einzigen Überlebenden. Zugleich hat sich die Künstlerin Constantinides in ihrer Magisterarbeit mit dem Titel "Die Kultur der Spaltung. Radien nuklearer Verstrahlung im Erzählraum" (2016) auf die Erzähltheorie des Films spezialisiert. Diese Auseinandersetzung diente ihr nun als grundlegender "Recherchepool", die sie in „Schwarze Spiegel“ in der Umsetzung einer künstlerischen Medienarbeit weiterführt.

Der Fotokünstler Robert Voit hat an der Fachakademie für Fotodesign in München studiert,an der Akademie der Bildenden Künste in München und an der Kunstakademie in Düsseldorf, wo er Meisterschüler bei Thomas Ruff war. Für sein künstlerischesLangzeitprojekt „Hope Fukushima“ reist er regelmäßig nach Japan, um das Land nach der Atom-Katastrophe zu fotografieren. Mit archäologischem Blick dokumentiert er dabei unter anderem die Veränderungen in der Sperrzone des Reaktorunglücks von Fukushima.


Fotos:Barbara Hartmann Tumba