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13.01.2013 bis 26.01.2013  

korean typologies

Die Münchner Architekten und Förderpreisträger der Landeshauptstadt München Martina Günther und Jan Schabert lehren, forschen und leben seit 2010 in Südkorea, ohne ihren Lebensmittelpunkt in München jemals aufgegeben zu haben. Es war somit nur eine Frage der Zeit, bis das Pendeln zwischen hier und dort, zwischen München und der fernöstlichen Welt, zu einem Austausch zwischen den Kulturen, zu einem Architekturvergleich, ja letztendlich zu einem Knowledge-Transfer führen würde. Zeitgleich zur Bau 2013 zeigen sie das Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm "kroean typologies", das durchaus als reflektive Erweiterung dieser Systemschlacht zu betrachten ist.

Die einzigartigen südkoreanischen Wohnhaustypologien, Han-OkYang-Ok und Apat, sind in Deutschland und der westlichen Welt weitgehend unbekannt. Anhand von Modellen, Plänen und Fotografien werden die Häuser aus dem fernen Osten nach München transportiert. An ihnen lässt sich versuchen, die gesellschaftliche, soziale, politische und kulturelle Entwicklung Südkoreas abzubilden und lesbar zu machen.

Programm

14. bis 20. Januar, 18 bis 24 Uhr: 
Ausstellung und Diskurs

Montag, 14. Januar: korean typologies
Eröffnung 19 Uhr
Marc Gegenfurtner, Prof. Uwe Kiessler

Dienstag, 15. Januar: korean climates
Vortrag, Diskurs 19 Uhr
Stefan Holst, Transsolar Energietechnik
Christoph Mitterer, Fraunhofer-Institut für Bauphysik
Sumee Park, Fraunhofer-Institut für Bauphysik
Moderation: Frank Kaltenbach, Architekt, Redakteur

Mittwoch, 16. Januar: korean realities
Vortrag, Diskurs 19 Uhr
Youngjoon Choi , Jihyun Woo, Sukjin Hong, OFFICE ARCHITEKTON
Sewoong Lee, Allmann Sattler Wappner Architekten

Freitag, 18. Januar
Lange Nacht der Architektur 19 Uhr

Samstag, 19. Januar: korean observations
Lesung, Gespräch 19 Uhr
Prof. Linn Song, Hochschule Rosenheim
Prof. Martina Günther, Keimyung University
Jan Schabert

Sonntag, 20. Januar: korean positions
Pecha-Kucha 19 Uhr
Studierende und Absolventen von TUM, HM, HRos, AdBK, …

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

 

14. bis 27. Januar, durchgängig einsehbar:
Filme
"Yang-Ok" von 김주리
 "Sewoon-Sanga" von 김상렬, 김재영, 도문문, 성형규, 얀샤버트, 허성훈

21. bis 27. Januar, durchgängig einsehbar:
Ausstellung

 

Konzept / Organisation / Programmierung / Realisierung:
Martina Günther, Jan Schabert, günther & schabert, architektur usw.de

Aktuelles auf
koreantypologies.net

Dank an
Stefan Günther, Youjin Ji, Juree Kim, Sangu Kwon, Younghee Lim, Frank Schabert, Stephanie Uebel

Gefördert von
BISA Research Fund, Keimyung University, Daegu, Republik Korea

 

한옥 Han-Ok – traditionelles koreanisches Holzhaus
Das Han-Ok findet sich in Stadt und Land in ganz Korea. Das modulare Prinzip bestehend aus Raum, Freiraum, Dach und Mauer lässt vielfältige Kombinationen zu, die auf die Umgebung reagieren. Dach, Mauer, Tor. Sehr rätselhaft das Ensemble. Je dichter, je urbaner der Kontext, desto höher scheint die Mauer zu sein, Privatheit gewährend. Diese Umschließung, hat man sie erst einmal durchquert, betritt man das Haus oder den Hof und dann liegt alles offen da. Ein Holzhaus, etwas in die Luft gehoben und ein kleiner Innenhof der eigentlich ein Raum im Freien ist. Das Dach, wie großer Regen- und Sonnenschirm, Dämmung, Kühlung, Regenschutz und vieles mehr. Ist es nur ein Dach auf Stützen umstanden von einer Mauer? Die leichten Schiebeflächen, Türen, Fenster im Inneren, bringen einen sich dauernd veränderbaren Zustand hervor. Offen, ganz offen, nur wenig offen. Der Luftzug- im Sommer unerlässlich. Die Schönheit, aus der Funktion und Konstruktion und vielleicht aus noch mehr heraus entstanden, prägt die kleinen Holzhäuser. Die Geometrie und Proportion der Dächer, die Dachziegel, die Farben, das finden wir dann in ganz Korea. Das Prinzip ist gleich, die Typologie ablesbar. Ähnlich, aber nie gleich. "On-Dol" und "Ma-Ru" sind prägende Elemente des Hauses.

 

온돌 On-Dol – der Fußboden als Kachelofen
Die Beheizung der traditionellen koreanischen Holzhäuser erfolgt über die Fußbodenfläche. Das Sitzen und Schlafen auf dem geheizten Fußboden ist eine wunderbare und effektive Art, sich in den kalten Wintermonaten warm zu halten. 
Das Prinzip "On-Dol" ist ähnlich einem horizontalen Kachelofen oder einer Hypokaustenheizung, die die ganze Fußbodenfläche von unten erwärmt. Rauchgaskanäle im Boden transportieren die warme Luft mäandermäßig spazieren und nehmen ihr die Wärme ab. Das Prinzip der Fußbodenheizung ist in Korea auch aktuell die bevorzugte Art der Raumheizung. Heizkörper (Radiatoren etc.) sucht man hier vergeblich.

마루 Ma-Ru – natürliche Kühle, in Holz
Zwischenraum zwischen zwei Räumen, Innen und Außen zugleich und doch das große Dach über dem Kopf. Auf dem Holzboden zu sitzen ist wunderbar, fast wie in einem großen Möbel fühlt man sich, das dunkle Holz um einen rum. Im heiß-feuchten Sommer ein leichter Luftzug - und da das Haus leicht aufgeständert ist, kann die Luft auch unter dem "Ma-Ru" durchziehen. Der Blick in den kleinen Innenhof. Nach Süden geöffnet wird hier in den kalten Wintern der kleinste Strahl Sonne eingefangen.

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양옥 Yang-Ok oder Villa – »western-style«
Dem "Han-Ok" folgt das "Yang-Ok". Flachdach und Außentreppe prägen diese koreanische Wohnhaustypologie.
Nach dem Koreakrieg löste die bis zu dreigeschossige Stahlbetonkonstruktion mit Klinkerfassade die Holz-/Lehmkonstruktion des „Han-Ok“ ab. Eine höhere Dichte erlaubend, prägt diese Wohnform Stadt und Land. 
Mehrere einzelne addierte oder integrierte Treppenläufe ermöglichen einen ausschließlich externen Zugang zu allen Etagen.
Das Dach, mal grün, mal blau versiegelt, wird weitgehend zum Wäsche-Trocknen, Lagern, urban-farming usw. verwendet, glasierte Ziegel-Riemchen verzieren die Fassaden dieses an divergierenden Kontext gut anpassungsfähigen Typus, vom eingeschossigen stand-alone in einsam-ländlichen Szenen bis hin zu dicht gepackten Zwei- bis Dreigeschossern in Ballungszentren; eine hohe horizontale Dichte als Garantie für kommunale und soziale Kontakte, Identifikation und Interaktion unter seinen Bewohnern.

"... new towns were built on ground that sustained a rich and unique history. They were totally ignored. These historical traces were inconveniences that had to be erased. Together with their architecture, the old living places quickly disappeared. If there was a mountain, it had to be levelled; if there was a valley, it had to be filled in; if there was a river, it had to be redirected. The korean architect chung guyon (1945–) has charged that there is no longer any land, there is only area for development...." (aus "Landscript", Seung-H-Sang, 2009)

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아파트 Apat
Der erste Prototyp des property-developments "Apat" landete 1962 in Mapo, Seoul: Mitnichten mit offenen Armen begrüßt, mussten gesundheitliche Verträglichkeit und Sicherheit des gestapelten Wohnens zunächst im Tierversuch probiert und demonstriert werden, bevor nahezu allein mit ubiquitären Abgüssen dieses Stahlbetontypus der enorme Wohnraumbedarf für eine dramatische wirtschaftliche und demographische Entwicklung befriedigt werden konnte. „Apat“ wurde binnen eines halben Jahrhunderts zum favorisierten Wohnmodell von drei Vierteln der koreanischen Bevölkerung.
 Der Großteil der 19-geschossigen Apartment-Blocks basiert auf zwei Wohnungstypen, einer 79m²- und einer 109m²-Einheit.

"Von 1993 an vollzog sich der Wandel der Wohnkultur rasend schnell. Die neuen Apartmentkomplexe setzten die Räume dicht an dicht, stapelten sie ebenso dicht übereinander und bewirkten gleichzeitig eine Trennung zwischen Wohnraum und urbanem Raum." (aus Bauwelt 36/2008: "Seoul – City of the Bang", Kwangsoo Kim)

 

Fotos: Alescha Birkenholz