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15.12.2011 bis 27.01.2012  

UNTER WELT

Einige Meter unterhalb der Häuser und Straßen und Plätze beginnt das andere Leben. Die Welt oben dringt nur gedämpft und gefiltert hierhin: als blasser Lichtstrahl, der durch irgendeine Ritze tropft, als leises Verkehrsrauschen, das von weit in die Stille geweht wird.

Die urbane Unterwelt ist das unsichtbare Herz der Stadt, funktionale Versorgungsstation, durchzogen von Infrastruktur, von Nützlichem, Notwendigem. Aber sie ist auch ein Depot, ein Speicher, ein Durchgangsort für Abgespaltenes, Ausgeschiedenes, Abgeheftetes und Eingemachtes: ein Ort der Konservierung; ein Ort der Ablagerung – ein archäologischer Ort; ein Ort für das, was brauchbar scheint, aber vorerst nicht benötigt wird – oder das, was noch einmal gefährlich werden könnte, aber anders nicht zu verarbeiten ist. Ein Ort für Phantasien und Ängste. Ein mystischer und fremder Ort.

Für die Ausstellung UNTER WELT wird das unterirdisch gelegene MaximiliansForum vom weißgetünchten Ausstellungsraum zu dem, was es vielleicht einmal war oder eigentlich ist – oder sein kann.

Konzept: Clea Stracke und Verena Seibt

Mit Arbeiten von Felix Burger (Zeichnungen Matthias Walter), Abbé Libansky, Flow Defoe, Daniel Door, Ann-Sofì Sidén, Clea Stracke & Verena Seibt, Georg Werner, Manuel Haible, Heiko Wommelsdorf, Thomas Woll

Programm

zur Eröffnung: Do, 15.12.2011, 19 Uhr
„Hunde im Palast“ – eine Einführung in die
 UNTER WELT.
Inszenierung in situ von Elisabeth Krause mit Katharina Heudorfer und Bettina Wiehler.
Treffpunkt 19 Uhr: Eingang Oberfläche Maximliansstraße, vor BAR München

zweiter Termin im Januar: Do, 12.1.2012, 19 Uhr

Fr, 13.1.2012, 19 Uhr
Wie kommt der Maulwurf in den Untergrund? Hias Wrba


Sa, 14.1.2012, 19 Uhr
„My Underground – Ein Familienalbum“
Abbé Libansky
, Vortrag und Gesprächsrunde

Do, 26.1., Fr, 27.1., Sa, 28.1.2012, 21 Uhr
„Hector Umbra“
, eine Inszenierung von Florian Fischer

Karten à 9 €/ erm. 5 € (inkl. MVV) für die Theateraufführung „Hector Umbra“ gibt es ab 16.12. im Vorverkauf über www.muenchner-kammerspiele.de, an der Tageskasse der Münchner Kammerspiele sowie an der Abendkasse vor Ort.


Es wird gebeten, sich gemäß einer urbanen Höhlenexpedition zu kleiden. Für heiße Getränke ist gesorgt.
Die Ausstellung ist 24 Stunden einsehbar. Geöffnet: je 1 Stunde vor den Veranstaltungen. 
Weitere Öffnungszeiten nach Vereinbarung: Tel. 0162-7617720 oder info(at)strackeseibt.com

In Zusammenarbeit mit der Otto-Falckenberg-Schule und dem Tschechischen Zentrum München

 

Donwload Dokumentation

 

Arbeiten der Ausstellung

Thomas Woll „Orbitale Hülle 2“
Rauminstallation
Thomas Woll (Düsseldorf) greift mit seinen Installationen in die vorgefundene Architektur des Ausstellungsraumes ein. Die einfachen Strukturen eines ‚White Cube‘, weiße, glatte Wände, rechtwinklige Räume und möglichst neutrale, gleichmäßige Lichter verschwinden. Neue Formen erscheinen, technoid, aus Beton und Holz oder industriell gefertigten Materialien. Alles scheint einen Zweck zu haben – Wolls neu geschaffener Raum behauptet Wirklichkeit, machtvoll und unzweifelhaft. (Kai Brückner) 

Georg Werner, Manuel Haible, Heiko Wommelsdorf „Klanglumineszenz“
Rauminstallation
Die Klangkünstler machen Leuchtstoffröhren zu Instrumenten: Aus dem Flackern der Neonröhren entstehen visuell und akustisch komplexe Muster und Rhythmen, welche für die Kohärenz von Hören und Sehen sensibilisieren.

Clea Stracke & Verena Seibt „Unterwelt“
2009, Video HD, 8:50 min. 
Durch graue Erdschichten gräbt sich die Kamera in eine labyrinthische Dämmerzone aus Gängen, Schächten, Gewölben, die wie adriges Wurzelwerk die Stadt unterhöhlen. Dazwischen vereinzelt menschliche Spuren, Zeichen der Abwesenheit. Die Zeit der Dinge unter Tage scheint angehalten; nur manchmal weckt sie ein Schatten, ein Wispern. (Christian Hartard) 

Ann-Sofi Sidén „QM, I Think I Call Her QM“
1997, 35mm Film auf Video, 28 min. 
Die Figur der QM – Queen of Mud – kann als das Alter-Ego der paranoiden Psychiaterin Ruth Fielding verstanden werden, welches sie vergeblich zum Verschwinden bringen will, das aber wie ein Golem zurückkehrt. Im Gegensatz zu den mythischen, vorchristlichen Frauenfiguren, die besonders in den 70er Jahren von feministischen Künstlerinnen „gerufen“ worden sind, ist die QM keine muttergottheitliche Wohltäterin. Sie ist ein Alien und sowohl in vorgeschichtlicher Zeit als auch in Zukunftsutopien wurzelnd. (Eine Leihgabe der Sammlung Goetz) 

Felix Burger „Schliersee – eine Parthie im bayerischen Hochlande“
2011, Video HD, 9:42 min. mit Installation 
Fiktive Dokumentation über den Bau eines Vergnügungsparks in einer begehbaren Rauminstallation mit Fotos, Zeichnungen, Modellen, Plänen und einem Video: In einer unterirdischen Halle errichteten polnische Gastarbeiter (alle maskiert mit Burgers Konterfei) ein künstliches Abbild SEINER Heimat. Die Struktur des Schlierseer Voralpenlandes wurde aus Kunststoff nachgegossen, ein riesiges Lithogemälde von Jospeh Anton Kochs „Schmadribachfall“ strahlt über die Kulisse des Elternhauses. Das Aufstellen des Mondes in Form einer 650 Watt-Glühbirne wird mit der Beschallung der großen Halle durch Wagners Lohengrin-Ouvertüre synchronisiert.

Daniel Door und Flow Defoe „98 Hz Orakel“

Soundinstallation
Die Resonanzarbeit untersucht die akustischen Prozesse der Deckenkonstruktion. Die Decke des MaximiliansForums ist der tragende Boden für die Kreuzung darüber. Die Hektik der Oberfläche wird größtenteils von der Decke absorbiert, nur schwere Ereignisse finden eine Resonanz in der Unterwelt.