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05.10.2016 bis 26.11.2016  

z e i g e d e i n e W u n d e 2 0 1 6 / T e i l 3 – Eine Rezeption

mit “Ambulanz – Erstversorgung und Behandlung“ von Georg Winter, „Infra_Beuys“ von Paul Huf und Lars Mentrup und "Boyz Wide Open" von Balz Isler und Justin Francis Kennedy


05.10.2016, 19 Uhr   
Vernissage mit einer ambulanten Anwendung von Georg Winter (Stuttgart) und Boyz Wide Open - eine pop-schamaistische Lecture-Zeremonie von Balz Isler (CH) und Justin Francis Kennedy (USA)

6.10. 2016, 19 Uhr   
Infra_Beuys – "Von hier aus". Eine Selbsterfahrung zum Thema Obdachlosigkeit – Vortrag, Abendmahl und Start der Selbsterfahrung.(Information und Anmeldung unter infrabeuys.de)

9.10. 2016, 18 Uhr
Infra_Beuys – "Von hier aus“ Rückkehr. Öffentliches Gespräch mit Bewirtung der Rückkehrenden und Erfahrungsberichten.

5.11. 2016, 19 Uhr   
Infra_Beuys – „Krise und Selbstheilung“ – Ein Zwölfstundenlauf gegen Depressionen.

9.11. 2016, 19 Uhr
„Soziale Plastik?! Gesellschaftliches Handeln in der Kunstpädagogik!" Jutta Görlich und SchülerInnen des Wittelsbacher-Gymnasiums. Ort: Wittelsbacher-Gymnasium, Marsplatz 1

22.11. 2016, 19 Uhr
„Joseph Beuys – Reden über das eigenen Land“ – Eine Lesung und Kunstgespräch mit Matthias Bunge (Alanus Hochschule Mannheim)


2016 jährt sich die Ausstellung der Arbeit „zeige deine Wunde“ von Joseph Beuys, die 1976 in der Unterführung der Maximiliansstraße / Altstadtring erstmals in München gezeigt wurde, zum 40. Mal. Aus diesem Anlass veranstaltet das MaximiliansForum die vierteilige der Reihe „zeige deine Wunde 2016“, in der eine jüngere Generation von Künstlerinnen und Künstlern eingeladen ist, den Ort und diese für München wichtige Arbeit zu reflektieren.

Teil 3 der Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe, die den Titel  „Eine Rezeption“ trägt, widmet sich der Frage nach der Einbettung und Wirkung der Arbeit von Joseph Beuys in Kunst und Gesellschaft. Mit seinem Konzept der sozialen Plastik hat Beuys den Kunstbegriff und die Kunstvermittlung stark beeinflusst und wirkt bis heute in die Politik hinein. Als ein revolutionär denkender Künstler ist er nach wie vor Vorbild und Modell nicht nur für eine jüngere Generation von Künstlerinnen und Künstler, die sich auf seine Arbeit beziehen. In diesem dritten Teil der Reihe stellt das Projekt und seine Veranstaltungen exemplarisch die Frage nach „Orten“ jenseits des Museums, an denen die Kunst von Beuys und ihre Themen wirksam sind.

Der in Stuttgart, Saarbrücken und Budapest lebende Künstler Georg Winter zählt international zu den interessantesten Künstlerpersönlichkeiten, die im Bereich der Bildhauerei die Grenzen und Möglichkeiten des künstlerischen Mediums erweitern und neu definieren. Seine Projekte zielen darauf für das Medium der Bildhauerei neue formale wie auch inhaltliche Potenziale von gesellschaftlicher Relevanz zu erschließen. Im Rahmen der Reihe „Öffentlichkeit als Medium“ hatte er 2005 die Performance und Videoarbeit „zeige deine Wunde … no film!“ für das MaximiliansForum (damals ZKMax) realsiert. Auch seine Installation “Ambulanz – Erstversorgung und Behandlung“ reagiert auf die historische Präsentation der Arbeit „zeige deine Wunde“ von Joseph Beuys in der öffentlichen Unterführung. Kennzeichnend für Georg Winters künstlerische Praxis sind temporäre Laboratorien und urbane performative Situationen. Winter beschäftigt sich, wie er sagt, mit der Konzeption und Herstellung von Störungen in Betriebssystemen und der Reflexion und Behebung von Störungen in Betriebssystemen. Bei der Vernissage wird Georg Winter in seiner Installation durch das Team des UCS medical support eine Augentrost Ambulanz anbieten. Ausgehend davon, dass die Begeisterung für in der Kunst Dargebotenes und die situativ hohe Rezeptionsdichte vergessen lasse, das Artitoxie auch körperliche und mentale Symptome bei den Produktion- und Rezeptionsvorgängen auslösen, leistet die UCS Augentrost Ambulanz Betroffenen durch fachkundiges Personal schnelle und zuverlässige Hilfe, unter anderem durch Augentrost Anwendungen, Hydrotherapie nach Vincenz Prießnitz, Relaxation und Schlaf an artitoxischen bzw. architoxischen Stellen, Erwartungen senkende Übungen (expectation downer) bei Orientierungslosigkeit, sowie Psychotektonisches Training.

Mit ihrem Projekt „Boyz Wide Open“ präsentieren Balz Isler (CH) und Justin Francis Kennedy (USA) zur Vernissage eine pop-schamanistische Lecture-Zeremonie. In manchen Ländern sind Taxis der einzige Ort, an dem über Gesellschaft und Politik geredet werden kann und in dem sich auch Frauen in der Öffentlichkeit frei bewegen können. Die beiden Künstler Balz Isler und Justin Francis Kennedy schaffen mit und in eine Taxi einen performativen Ort, der aktuelle Gesellschaftsstrukturen reflektiert. Gespräche über private Erfahrungen im Kontext von Verwundbarkeit, die sie mit Taxigästen während der ART Week Berlin geführt haben, sind unter anderem das Ausgangsmaterial für die Performance „Boyz Wide Open” im MaximiliansForum. Die Performance greift strukturell auch die Zeigeformen auf, die Balz Isler seit einigen Jahren in seinen „Pictorial Concerts” verwendet: Videos, Bilder, Klänge, Sprache und Gesang bauen sich assoziativ zu einem verdichteten Vortragstableau zusammen. Im Unterschied zu Berlin ist das Taxi in München nur als stehendes Objekt thematisiert und nicht im fahrenden Zustand. Geparkt an der Oberfläche des MaximiliansForums steht es vor der Edelboutique Gucci und dient als Ausgangspunkt der Performance, die durch Markenfetische und „images” konstruierten Begierden und die damit einhergehende Problematik untersucht. Der „Virus”, der auf der Fahne vor dem Gebäude der Regierung von Oberbayern zu sehen ist, signalisiert das Ende und zugleich das Ziel der Performance – für Isler ein Verweis auf Mechanismen der digitalen und kulturellen „Invasion”. Die Performance leitet so über in den Untergrund des MaximiliansForums und wieder zurück an seine Oberfläche und in den Stadtraum – von der Stadtpolitik und deren Topographie bis hin zu Populärkulturen und deren Wunden und Vernarbungen. Für die Laufzeit der Ausstellung (ausser  vom 6. - 9.10.) ist als Verweis für die Aktion, die Videoarbeit „Boyz Wide Open“ im MaximiliansForum zu sehen.

Das Kunstprojekt „Infra_Beuys“ von Paul Huf und Lars Mentrup knüpft direkt an die Frage von „zeige deine Wunde“ an und erweitert gleichzeitig die Diskussion um neue Formen der Kunstvermittlung. Infra_Beuys beschäftigt sich mit den Themen der Obdachlosgkeit, der Depression und der Bürokratie. Der erste Teil „Von hier aus“ thematisiert Obdachlosigkeit in Form einer möglichen Selbsterfahrung. In einer öffentlichen  Veranstaltung am 6.10. im MaximiliansForum wird ein ehemaliger Obdachloser sein Expertenwissen vermitteln. Vier bis sechs Personen, die sich vorab für die Selbsterfahrung auf infrabeuys.de angemeldet haben, verbringen daraufhin drei Tage ohne Obdach in München. Ausgangs- und Endpunkt ist das MaximiliansForum … Mehr Information zu dieser und allen folgenden Veranstaltungen der dreiteiligen Reihe Infra_Beuys auf infrabeuys.de.

Mehr Information zu den einzelnen Veranstaltungen jeweils aktuell auf
www.maximiliansforum.de
und www.infrabeuys.de

Boyz Wide Open - eine pop-schamaistische Lecture-Zeremonie von Balz Isler (CH) und Justin Francis Kennedy (USA), Fotos: Barbara Hartmann

Ambulante Anwendung von Georg Winter (Stuttgart), Fotos: Barbara Hartmann